Saarbrücken, 30.09.2026. Die Deutsche Glasfaser hat am 29. September mitgeteilt, geplante Ausbauprojekte in mehreren saarländischen Kommunen nicht umzusetzen. Betroffen sind laut SR unter anderem Bexbach, Riegelsberg, Saarbrücken, Neunkirchen und Sulzbach sowie Teile von Schiffweiler, Ottweiler und Dillingen. Der Gewerbe- & Unternehmerverband des Saarlandes – GVS e.V. sieht nun die Landesregierung in der Pflicht.
Das Unternehmen begründet den Schritt mit gestiegenen Zinsen und Baukosten sowie bürokratischen Hürden. Diese Bedingungen treffen jedoch nicht nur die Deutsche Glasfaser: Laut Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) berichten drei von vier befragten Unternehmen der Branche von steigenden Tiefbaukosten. Aus Sicht des GVS stellt sich damit die entscheidende Frage, was die Landesregierung konkret unternimmt, damit andere Anbieter die Gebiete tatsächlich erschließen können.
„Für Selbständige und kleine Betriebe ist Glasfaser Betriebsinfrastruktur wie Strom und Wasser. Cloud-Anwendungen, Videotermine mit Kunden oder Mitarbeitern und Datensicherung brauchen stabile Leitungen, vor allem im Upload. Wer dauerhaft ohne Gigabitanschluss arbeitet, gerät gegenüber Wettbewerbern in besser versorgten Regionen ins Hintertreffen“, erklärt Timo Lehberger, Vorsitzender des GVS.
Aus Sicht des Verbandes ist der Handlungsdruck hoch. Laut BREKO-Marktanalyse liegt die Glasfaserausbauquote im Saarland bei 42,8 Prozent, der Bundesschnitt bei 62 Prozent. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fühlen sich zudem bundesweit über 60 Prozent der Unternehmen durch mangelhafte Breitbandversorgung eingeschränkt. Jeder gestoppte Ausbau erschwert das Aufholen.
„Viele kleinere Betriebe im Saarland bieten mobiles Arbeiten an, um bei Fachkräften gegen Großunternehmen zu bestehen. Bei steigenden Anforderungen funktioniert das mittelfristig nur mit hohen Bandbreiten am Wohnort der Beschäftigten. Wo der Ausbau jetzt stoppt, entsteht für kleine Betriebe ein Standortnachteil“, so Lehberger.
Bereits im März hatte das Wirtschaftsministerium Gespräche mit Netzbetreibern angekündigt. Im August nannte Minister Jürgen Barke gegenüber der Saarbrücker Zeitung Telekom und VSE als mögliche Partner und stellte Fördermittel sowie schnellere Genehmigungen in Aussicht. Bei der Vorstellung der Strategie „Digitales Saarland 2035“ am 18. August sagte er, eine gute Strategie messe sich daran, was von ihr umgesetzt werde, und kündigte an, Fortschritte transparent nachzuhalten. Aus Sicht des GVS muss
dieser Maßstab nun auch für den Glasfaserausbau gelten.
„Die Investitionsbereitschaft der Telekom ist ein gutes Signal, ersetzt aber keine verbindliche Ausbauzusage mit Zeitplan. Wenn Zinsen, Baukosten und Bürokratie alle Netzbetreiber treffen, braucht das Land mehr als Gesprächsangebote: Es muss Förderung und Genehmigungen so ausgestalten, dass der Ausbau sich für Anbieter rechnet und schnell startet“, erklärt Lehberger.
Der GVS fordert die Landesregierung daher auf, schnellstmöglich für jedes aufgegebene Gebiet offenzulegen, wer baut, mit welcher Förderung und bis wann, und darzulegen, wie sie den Ausbau durch Förderung und beschleunigte Verfahren für alle Anbieter erleichtert. Betroffene Haushalte und Betriebe sollten zeitgleich mit der von der Deutschen Glasfaser für Oktober angekündigten Kundeninformation erfahren, wie es weitergeht. Zudem sollte das Land prüfen, die Gigabitprämie plus, die bislang längstens bis Ende 2026 läuft, zumindest für Betriebe in den betroffenen Gebieten zu verlängern.